Atemlos…

…nee – nicht durch die Nacht. Durch den Supermarkt…

Stehe an der Kasse. Mit Buff. Habe ihn bis über die Ohren gezogen damit auch wirklich meine Nase verdeckt ist. Tue ich nicht FREIWILLIG. Aber – der Kühlschrank ist leer, ein Feiertag naht und ein Geburtstag will auch noch gefeiert werden. Das verlangt nach Nahrungsmitteln. Die gibts im Supermarkt. Und da nur mit Maske.

Oha.

SECHS Wochen lang war ich zweimal in der Woche einkaufen. Ohne Mund und Nasenschutz –  wie die Maske so poetisch umschrieben wird. SECHS Wochen lang hat mich die gleiche Kassiererin an der Kasse angestrahlt – nur geschützt durch ein Plexiglasscheibe. Sechs Wochen lang haben meine Mitmenschen versucht, den Abstand von einem Meter fünfzig zu wahren. Größtenteils ohne weiteren Schutz.

Jetzt tragen wir also alle etwas vor dem Mund. Ein ketzerischer  Gedanke taucht da auf in meinem Hirn. Wir lassen es nicht nur zu, dass es keine menschliche Nähe mehr gibt – wir lassen auch zu – per Bestimmung durch die Regierung – dass wir den Mund zu lassen.

Unter der Prämisse – wir schützen den anderen. Dem ich sowieso nicht nahe kommen darf. Oha. Da komme ich ins Grübeln. Habe ja Zeit – in meiner Schlange an der Kasse. Zwei Leute vor mir und ich stehe bereits im Gang an den Kühltruhen. Wegen der vorgegebenen ein Meter fünfzig, die liebevoll auf dem Fußboden aufgemalt sind.

Mir rinnt der Schweiß. Tropfen bahnen sich kitzelnd den Weg vom Haaransatz Richtung weiter nach unten. Mit jedem Atemzug presst sich mein Buff an Mund und Nase. Es wird schwerer – das Atmen…

Erschrocken fleht mein KLEINES VORMIR: Charlotte, gaaaanz ruhig – stell dir den Regenwald vor – Luftfeuchtigkeit bei 92 %, – das Atmen fällt schwer, weil du dich durch dichtes, dämmriges Dunkel schlagen musst. Alles gut – geh einfach weiter… Mein KLEINES HINTERMIR verdreht schon wieder die Augen: Nimm den blöden Buff ab und atme… Kann ja nicht im Sinne der Erfinder sein, dass dich dein Schutz umbringt. Sehe schon die Schlagzeile: Coronatote in Supermarktschlange – trotz Mund und Nasenschutz  – Tot durch Corona…

Ich beginne zu kichern, dann zu lachen… Mein Buff rutscht von Nase zu Mund, kann sich noch am Kinn halten und verliert dann gegen die Schwerkraft. Da beide Hände mit Auspacken und auf´s Bandlegen  beschäftigt sind, braucht´s einen Augenblick bis ich Mund und Nase wieder bedecken kann. Nutze ich noch schnell zum tief Atemholen. Bemerke einen feuchten Film auf meiner Haut um Mund und Nase und mag mir nicht vorstellen, was sich  da mikroskopisch klein unter dem Buff abspielt. Bin mir sicher, dass es vielen so geht und denke, dass sich Pharmazie und Kosmetikhersteller insgeheim ins Fäustchen lachen. Noch eine Creme oder ein Serum, was wunderbar die Konsequenzen einer konsequent getragenen Maske reduzieren bis unsichtbar machen soll.

Halt. Stopp…

Das geht natürlich nicht gegen Krankenschwestern, Krankenpfleger, Ärzte oder all diejenigen, die jobbedingt einen Mundschutz tragen müssen. Der hat andere Qualitäten als mein Buff. Es geht mir um ein Maßnahme, die ich nach sechs Wochen Corona nur unter Protest mittrage. Schreibenderweise. Bin immer noch atemlos…

 

Foto am 26.01.17 um 16.43