LEERE…

…mit zwei E´s…, weil: sie umgibt mich…

Der Bahnsteig ist leer. Komplett… LEER… Es ist Dienstag – halb neun morgens und vier (4!) Gleise sind ohne Menschen.  Das gibts nicht mal Samstagfrüh um acht. Da ist´s so voll, dass ich schon ganz schön laufen muss, um noch einen freien Platz zu finden.

Die Anzeigetafel lässt die Nachricht durchlaufen, dass mein Zug pünktlich sei. Aha.

Wieso ist er dann noch nicht zu sehen? Er müsste schon längst eingefahren sein. Ganz allein auf dem Bahnsteig kann ich ja noch verkraften – aber allein und ohne Zug…??

Da kribbelt´s schon in der Bauchgegend.

Er kommt. Und ich bin wieder allein. Keine Fahrkartenkontrolle, kein Rucksack, der mir den Weg versperrt. Kann mich gar nicht entscheiden, wo ich sitzen möchte. Und plötzlich fällt mir ein, woran mich dieses Szenario erinnert.

„Die Arbeit der Nacht“ von Thomas Glavinic

Jonas wacht in Wien auf und ist allein. Nicht nur im Zimmer, nicht nur  in der Wohnung, nicht nur im Mietshaus. Die Stadt kennt nur IHN. Weil er der EINZIGE ist. Bis gestern – bevor er einschlief – war er EINER unter ganz VIELEN. Saß mit Marie in Wiener Cafés, schlenderte glücklich durch die Straßen, war verliebt – lebte diese Liebe…

Und dann…? Nur Rauschen auf jedem Sender. Keine Internetverbindung – aber Strom und Wasser funktionieren. Die Läden sind offen – ist keiner da, der verkauft – gibt niemanden, der einkauft. Gibt nur Jonas, der sich nimmt, was er braucht und zurück bleibt in der Leere…

Was macht Leere mit einem? Thomas Glavinic versucht dem auf den Grund zu gehen. Teilweise beängstigend, was er Jonas zumutet – letztendlich sehr konsequent…

Mir reicht inzwischen der leere Zug und ich bin sehr glücklich als ich wieder Menschen begegne… Muss an mich halten, nicht laut aufzujuchzen – sosehr war ich schon Jonas´s Welt.

Wobei – ich habs verborgt – das Buch… Und Thomas Glavinic ist einer der Autoren, die irgendwie nicht den Weg zurück in meinen Bücherschrank finden. Inzwischen habe ich mir mein Lieblingsbuch ein drittes Mal kaufen müssen… Was ja sehr FÜR ihn spricht…

Da jetzt wieder mehr Menschen auf dem Weg sind, wird es schwer 2 m Abstand zu halten und ich sinniere darüber nach, welche Macht Dinge über uns haben, die nur unterm Mikroskop Gestalt annehmen  und ansonsten eher über Symptome mit uns kommunizieren.

Mein KLEINES VORMIR ist ungewohnt still. Und auch mein KLEINES HINTERMIR ist ganz leer – ohne Worte. Ich hab noch ein paar:

Tut mir einen großen Gefallen, ihr Lieben da draußen – achtet auf euch. Schützt euch – damit auch die anderen geschützt sind. 30 sec Hände waschen und dabei zweimal Happy birthday singen, ist eine geniale Methode, die Hände echt sauber zu kriegen und sich dabei vor Lachen fast in die Hose zu pieseln. Funktioniert auch nach mehreren Tagen noch…

Hmmm – und da Bahnfahren gerade wirklich ausfällt, werde ich an dieser Stelle hin und wieder von meinen Lieblingsbüchern erzählen – oder von Musik, die ich nicht aus den Ohren kriege, weil ich drei Tage am Stück nur EIN Lied höre…

Äh – neues Thema… Nächstes Mal….

 

 

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