Lissabon…

…hat eine Metro. Die fährt pünktlich und ist sauber. Das fällt auf. Zusammen mit einer Freundin steige ich am Beginn der roten Linie ein und fahre bis zu ihrem Ende. Von dort geht es in die Luft.

Wir sind ziemlich erschöpft, werfen unsere Rucksäcke – gehen noch als Handgepäck durch – auf die gegenüberliegenden Sitze und genießen das Gefahrenwerden. Bereits an der nächsten Station steht ein überaus großer, dunkelhäutiger Mann vor unseren Rucksäcken, die ihm die Sitze versperren. Seine Mine ist undurchdringlich. Er trägt eine Sonnenbrille. Beide nehmen wir die Rucksäcke runter, und der Mann kann sich nicht entscheiden. Welcher Sitz ist bequemer? Der blonden Frau gegenüber oder doch eher der dunkelhaarigen?

Er entscheidet sich für gegenüber blond und lässt seinen überaus großen, dunkelhäutigen Körper auf den Sitz fallen. Ich stelle meinen Rucksack neben ihn. Ist der geschrumpft? Nee – die Perspektive hat sich nur verändert.

Es wird von Station zu Station voller. Irgendwann sehe ich einen Musiker. Hören kann ich ihn nicht. Dafür sorgt der Waggon. Es ist unglaublich laut. Es rattert und donnert. Ich sehe den Musiker – sehe wie seine Lippen über die Röhrchen einer Panflöte gleiten und seine Hände die Gitarrensaiten zupfen. Hören tue ich nix. Keinen Laut. Nur Rattern und Donnern. Auf die Entfernung kann ich auch nicht erkennen, ob der Musiker ein ER oder eine SIE ist. Lange Haare – mexikanischer Poncho. Panflöte, Gitarre. Irgendwann hat er/sie sich durch die Menge gewühlt und wirft einen Blick auf uns. Mir fällt ein bunter Stoffköcher auf. Olà​, da passt `ne Menge Kleingeld rein, denke ich.

Was mich wundert ist, wieviele Lissaboner dem/der Musiker/in den Stoffköcher füllen. Ehrlich. Beinah jeder gibt etwas. Ein junger Mann – Nasenring, tätowiert, mit lila Fingernägel und extra Glitzer drauf, versucht hektisch seine Tasche zu öffnen. Geduldig bleibt der/die Musiker/in neben ihm stehen. Irgendwie hat sich die Plastikschnalle verhakt. Verzweifelt nestelt der junge Mann an dieser Schnalle. Fast schon bin ich versucht ihm zu helfen, da gibts ein lautes Klicken und die Tasche öffnet sich. Hektisch holt er ein abgewetztes Portmonee heraus, findet eine Münze und lässt sie glücklich aufatmend in den Stoffköcher plumpsen. Klimpert ordentlich, denke ich mir. Hören kann ich ja nicht. Rattert und donnert immer noch.

Der überaus große, dunkelhäutige Mann hat kein Portmonee dabei. An der nächsten Station verlassen uns beide – Musiker und überaus großer, dunkelhäutiger Mann. Mein Rucksack erreicht wieder seine normale Größe.

Wir haben noch eine Station vor uns und die Freundin schaut mich fragend an. Ob ich mir erklären könne, warum die Leute für Musik zahlen, die sie nicht hören können…Nee, kann ich mir nicht. Vielleicht war´s einfach nur ein schöner Anblick – und jeder hat seine eigene Musik dazu im Kopf. Mir kommt Gheorge Zamfir in den Sinn. Jetzt beim Darüberschreiben.

Den hat meine Mutter rauf und runter gehört – da war ich noch ganz klein.

Ich hör jetzt auf. Muss eine Platte suchen gehen…

 

 

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7 Kommentare zu „Lissabon…

  1. Ach schön, gut dass du auch im Ausland interessante Dinge erlebst…
    Ich dachte schon, heute gibt es bestimmt nichts zu lesen….
    Danke 🤗

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  2. Na, liebe Charlotte! Ich wünsche dir einen wunderbaren Aufenthalt in Lissabon… Es steht fest, dass Musik in der Bahn meiner südlichen Stadt, nicht gespielt wird. Liegt es daran, dass die Bah und Busse meistens vollbesetzt sind? Oder tragen die Südländer auch während der Fahrt Musik im eigenen Herzen mit?… Andere Länder, andere musikalische Sitten?….Liebe Grüsse…

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  3. Ich hatte auch schon Angst das du nichts schreibs…Was dir alles immer passiert 😁 Schön das du wieder eine Geschichte hast!!! ICH WILL KEINE WOCHE OHNE ANBAHNEN HABEN!!!!!!😠Ich freu mich auf die Neste..💖

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